Luisenstädtischer Kanal

Blick unter der Waldemarbrücke durch auf die Michaelkirche

Der 1848 nach Plänen von  Peter Josef Lenné als Verbindung von Spree und Landwehrkanal gebaute Kanal sollte 1926/27 verfüllt werden, da er seine Funktion als Transportweg verloren hatte und wegen des schlechten Wasseraustauschs zur Geruchsbelästigung wurde.

Der damalige Stadtgartendirektor Erwin Barth, dem Berlin auch ein Anzahl schöner Plätze verdankt, konzipierte einen tiefer liegenden Grünzug, einen grünen Kanal mit Schmuckbeeten, Kinderspielplätzen, Rasenflächen und als Zentrum dem Engelbecken und erhielt die von Lenné geplanten historischen Bezüge.

Der Kanal wurde mit Aushubmaterial, das beim Bau der U-Bahnlinie 8 anfiel, bis auf das von Barth geplante Niveau verfüllt. Es entstanden unterschiedliche Gartenbereiche, die durch die querenden Straßen voneinander getrennt waren und ein großes Wasserbecken zu Füßen der St. Michael-Kirche.

Der Grünzug im Luisenstädtischen Kanal lag damals in einem dicht bewohnten Gebiet (dem Zeitungsviertel) und wurde täglich von tausenden von Besuchern frequentiert.

(Ein ähnliches Projekt wurde in Valencia realisiert: Aufgrund von schweren Überschwemmungen in der Stadt wurde ein neues Bett für den die Stadt querenden Rio Turia geschaffen. In dem alten Flussbett, das beidseits von senkrechten Mauern begrenzt wird, entstanden seit den 80er Jahren die „Gärten des Rio Turia“)

Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Anlage teilweise mit Trümmerschutt verfüllt.

Durch den Bau der Mauer wurde der Gartenzug dann geteilt: der auf der Grenze zwischen den Bezirken Kreuzberg und Mitte verlaufende Teil nördlich der Waldemar-Brücke verschwand unter den Grenzanlagen und der in Kreuzberg liegende Bereich wurde im Zuge der internationalen Bauausstellung (IBA) 1984/87 nach den Plänen von Hinrich Baller neu gestaltet.

Seitdem erstrecke sich eine zentrale Rasenmulde vom Urbanhafen bis zur Waldemarbrücke, seitlich gerahmt von Baumpflanzungen und unterbrochen vom Wassertorplatz, einer Verkehrslehranlage und dem Oranienplatz.

Die ursprünglich geschaffene Sichtbeziehung bis zur St. Michael-Kirche ist durch Baumreihen und dichte Bepflanzung an der Skalitzer Straßen unterbrochen.

Zu Beginn der 90er Jahre fanden sich fanden sich unter den ehemaligen Grenzanlagen die Reste der architektonischen Gartenanlage aus den 20er Jahren wieder.

Der „Rosengarten“ und das „Engelbecken“ konnten mit Hilfe alter Fotos und Pläne gartendenkmalpflegerisch wiederhergestellt werden (Planung Büro H. Schumacher). Die alten Klinkermauern wurden wieder aufgemauert, alte Treppenanlagen und Wegeeinfassungen ergänzt und erneuert, Rosenbeete und eine filigrane Pergola ebenfalls nach alten Plänen nachgebaut. Der Indische Brunnen wurde in Anlehnung an das Original von Gerald Matzner neu gestaltet, das Mosaik im Brunnenbecken von Michael Ilg entworden.

Das Engelbecken hat sich überraschenderweise nach dem Aushub mit Grundwasser gefüllt, so dass auch die Wiederherstellung des Wasserbeckens möglich wurde. Und an der Stelle des alten Wasserschlosses ist heute ein Café entstanden, von dem der Blick Richtung Süden über Wasser und Rosengarten schweift. Nördlich des Engelbeckens begrenzen die St. Michael. Kirche und das von B. und M. Taut !927-30 geplante ehem. Verbandshaus des Deutschen Verkehrsbundes den Michael-Kirchplatz.

In diesem ersten Abschnitt der Rekonstruktion wurden auch beidseits der Kanalmauern je eine Reihe Kaiser-Linden neu gepflanzt und die Promenaden entlang des Bethanien- und des Engeldamms, die hier vom Engelbecken aus in südöstlicher Richtung abknicken und in einem Viertelbogen zu Spree verlaufen.

Unterbrochen von den senkrecht verlaufenden Straßen erstrecken sich drei weitere Gärten in diesem Kanalbogen: der Immergrünen Garten, der Waldpflanzengarten und der Blütensträuchergarten.

Der Immergrüne Garten wurde ebenfalls zu Beginn der 90er Jahre gartendenkmalpflegerisch restauriert, für die beiden übrigen Abschnitte fehlten jedoch die finanziellen Mittel, so dass die sie nach teilweisem Aushub über 10 Jahre brach lagen. In dieser Zeit entwickelte sich auf diesem Flächen eine üppige Spontanvegetation.

Ab 2005 wurden dann die beiden letzten Gartenpartien nach Plänen des Büros Hortec als Kompromiss zwischen den Wünschen der Anwohner und der gartendenkmalpflegerischen Wiederherstellung erneuert:

Der Waldpflanzengarten ist seitlich mit einer nur 40 cm hohen Mauer und einem Geländer eingefasst, damit der Blick in den Garten freigehalten wird. Die vorhandene Vegetation wurde bei der Planung berücksichtigt und durch Birken, Pappeln und Kiefern sowie weitere Strauchpflanzungen ergänzt.

Im Blütensträuchergarten wurde auf den Aushub verzichtet. Es erstreckt sich hier eine leichte Rasenmulde die von flachen Klinkermauern eingefasst wird. Zwei Kinderspielplätzen und Stauden und Rosenpflanzungen ergänzen das Ensemble.

Der Spaziergang durch den Grünzug vom Urbanhafen zur Spree ist eine spannende Reise durch drei Jahrzehnte Berliner Gartengestaltung. Mitten in der Stadt und doch ganz weit weg…..

Tipp:

Im Engelbecken befindet sich ein Cafe mit Blick auf das Wasser.

Verbindung: U 1, U 2, U 8, U 15 Kottbusser Tor;

Bus 129, 147

 

 

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