Comenius – Garten

Ein Garten, der nach den Motiven eines Gelehrten des 17. Jahrhundert gestaltet ist? Wie soll man sich den vorstellen?

Im ehemaligen Böhmischen Dorf in Neukölln wurde dieser Versuch gewagt: entstanden ist dabei ein kleines, aber dichtes Gärtchen, dass auch von den Menschen des 21. Jahrhunderts genutzt und genossen werden kann.

Der Comenius-Garten bildet einen Teil des „Lebensweges“ des Menschen, wie ihn der Pädagoge und Theologe Johann Amos Comenius (1592-1670) in seinen Werken beschrieben hat. Comenius war Bischof der böhmischen Brüdergemeinde, die ab 1620  verfolgt und später aufgelöst wurde. Viele der böhmischen Religionsflüchtlinge verließen – auch noch Mitte des 18. Jahrhunderts ihre Heimat. 350 von ihnen wurden 1737 von Friedrich Wilhelm I. im „Böhmischen Dorf“ in Neukölln angesiedelt.

An diesem historischen Ort entstand in den Jahren 1987-92 nach den Plänen der Landschafts-architekten Müller Wehberg Knippschild der Comenius-Garten. Der „Lebensweg“ beginnt am Karl-Marx-Platz, am Walnussbaum, der die „vorgeburtliche Schule“ versinnbildlicht. Anschließend folgen die Einrichtungen der Kita und der Schule, der Comenius-Garten als „Schule des Lebens“. Wieder außerhalb des Comenius-Gartens setzt sich der „Lebensweg“ an der Seniorentagesstätte fort und führt bis zum „Böhmischen Gottesacker“, dem Friedhof an der Kirchhofstraße.

„Die Schule des Lebens“ als Zeit der Lernens in der Grundschule und Zeit des Studierens in der Akademie wird im Comenius-Garten mit unterschiedlichsten gärtnerischen und baulichen Elemente dargestellt und zeigt die Aufgaben des Menschen in dieser Zeit, wie Comenius sie definierte.

Eine kleine Gartentür an der Richardstraße markiert den Eingang in den Garten. Gleich dahinter beginnt ein schmaler Weg, an dem sich – in entgegengesetzter Richtung zum zeitlichen Verlauf des Lebens – die Stationen des Lernens aufreihen.

Den Beginn markieren die Akademie mit Spiegel, Mikroskop und Teleskop und die „Baumhalle des Lernens“, schmale Obstbäume, die zukünftig ein dichtes Blätterdach über den Weg spannen werden. Es folgt die „Schule als Spiel“, ein flaches Holzpodest und die „Schule in Bildern“, eine Galerie entlang der Einfassungsmauer, sowie zahlreiche Gartenpartien, die das Grundschulalter symbolisieren sollen: das „Seelenparadies“, ein kleiner Holzpavillon, Rosenhain, Veilchenbeete, das Lebensquell und das „Weltmeer“.

Im hinteren Teil des Gartens sind die Kinder der Umgebung auch eigenhängig tätig: Sie studieren die Abläufe der Natur, bearbeiten ihre kleinen Hochbeeten, pflegen und ernten und erlernen dabei auch, Verantwortung zu übernehmen.

Benachbart zum Pavillon steht eine Statue von Comenius. Sie wurde 1992 zum 400. Geburtstag des Pädagogen von der damaligen tschecheslowakischen Regierung gestiftet.

In dem kleinen Gebäude, das im Eingangsbereich links des Weges steht, befindet sich ein Büro der Brüdergemeinde, die den Garten gärtnerisch und auch wissenschaftlich betreut. Sie bietet regelmäßige Führungen zu Idee und Gestaltung des Gartens. Geplant ist hier auch eine „Werkstatt des Wissens“, die immer noch aktuellen Ideen von Comenius in der Gegenwart umzusetzen: „Alles soll, wo immer möglich, den Sinnen vorgeführt werden …, wenn ich nur einmal Zucker gekostet …, einmal den Gesang der Nachtigall gehört habe…, so haftet all das fest in meinem Gedächtnis und kann mir nicht wieder entfallen.

 

 

 

Adresse: Richardstraße 35 , 12 043 Berlin-Neulölln, Tel: 030 – 686 61 06
e-mail: comenius-garten@t-online.de
Öffnungszeiten: flexibel, bitte telefonisch erfragen

Anfahrt:  U-Bahn 7 bis Karl-Marx-Straße oder Neukölln, S-Bahn 46 bis Neukölln

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