Görlitzer Park

Sonntags morgens ist der Park noch verlassen. Nur die Hundebesitzer und die Jogger ziehen ihre Bahn. Jetzt lassen sich die Reize des Parkes noch in aller Ruhe genießen: Die Aussicht vom Rodelberg über den Landwehrkanal auf der einen und zur Kirche am Lausitzer Platz auf der anderen Seite oder das Plätschern des Wasserlaufes und die singenden Vögel am kleinen Teich.

Schon bald füllt sich der Park: Mit Familien mit Kindern, für die der Kinderbauernhof am Wochenende ein „muss“ ist mit den beiden Schweinen Pippi und Zora, den Schafen und den Eseln. Mit Grill-Fans, die bei schönem Wetter in großen Gruppen um ihre Grills lagern und den Park in einer Rauchwolke verschwinden lassen. Mit Flaneuren, die bei Sonnenschein die zentrale Achse heraufströmen. Mit den Sportlern, die Fußball, Volleyball oder Frisbee spielen. Und mit den Musikern, die die Arena in der Rasenmulde für ihre Auftritte nutzen.
Der Park ist bunt und lebendig und viel bevölkert, wie die umgebenden Viertel.

Sein pragmatisches und robustes Aussehen ist das Ergebnis einer intensiven und leidenschaftlichen Bürgerbeteiligung:
Der Personenverkehr wurde von der Reichsbahn am Görlitzer Bahnhofs nach dem Bau der Mauer eingestellt. Bis 1968 wurde der Bahnhof nur noch für Güterverkehr genutzt, dann wurde auch dieser eingestellt. Und das Gelände fiel brach, der Bahnhof wurde abgerissen, es sammelte sich Müll.
Auf Initiative der Anwohner und des Vereins SO 36 wurde dann ein Park auf dem  Areal ins Gespräch gebracht. Aufgrund der unklaren Besitzverhältnisse konnte erst in den 80er Jahren mit der Realisierung begonnen werden. In Zusammenarbeit mit der Freien Planungsgruppe Berlin (FPB) wurde dann die  Gestaltung des Parkes detailliert: Überwiegend einheimische Gehölze, weite Rasenflächen, Spielplätze und die zentrale Rasen-Mulde entstanden. Der Kinderbauernhof wurde in den Park integriert und die Reste des ehemaligen Fußgängertunnels unterhalb der Bahnanlagen erhalten. Mitten im Park überspannt die gigantische Stahlskulptur „Der schreitende Mann“ von Rüdiger Preisler den Weg.
Überbleibsel der Bahnanlagen sind die Lokschuppen an der Görlitzer Straße, heute als Café genutzt und die ehemalige Eisenbahnbrücke über den Landwehrkanal, die den Park im Osten mit dem Schlesischen Busch verbindet.
Es entstand ein Park als Bühne für die vielfältigen Ansprüche der zahlreichen Bewohner und Bewohnerinnen im dichtbebauten Osten Kreuzbergs.

In den 90 Jahren wurde der  „Pammukkale-Brunnen“ in Anlehnung an die Sinterterrassen in der Türkei nach den Entwürfen des Bildhauers Wigand Wittig gebaut, gedacht als Erinnerungsort für die türkischstämmige Bevölkerung. Doch der im Herbst 1998 eröffnete Brunnen erlitt bereits im ersten Winter starke Frostschäden, so dass er aus Sicherheitsgründen gesperrt werden musste. Nach langwierigen gerichtlichen Auseinandersetzungen wurden die Skulpturen dann im neun Jahre später abgetragen und die verbliebenen Beton-Terrassen als Sitzstufen wieder freigegeben.

PR Kantate hat dem Park mit seinem Song „Görli, Görli“ ein lebendiges musikalisches Denkmal gesetzt.

Adresse: Wiener Straße, Görlitzer Straße
Anfahrt: U1 Görlitzer Bahnhof, Bus M 29

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