Viktoria-Park

Berlins höchste natürliche Erhebung – der Kreuzberg – ist mit 66 m Höhe zwar eher flach ausgefallen, aber der Blick von der Spitze ist nichtsdestotrotz großartig: vom namensgebenden Denkmal mit seinen umlaufenden Treppen bietet sich ein 360° Blick auf das Häusermeer der Innenstadt, unterbrochen an der einen und anderen Stelle nur durch die aufstrebenden Bäume.

Als das von C. F. Schinkel entworfene Nationaldenkmal zur Erinnerung an die Befreiungskriege 1821 auf dem damals „Templower Berg“ genannten Sandhügel eingeweiht wurde, war an die dichte Bebauung noch nicht zu denken. Das Denkmal lag weit vor der Stadt auf einem kahlen Hügel mit Sand- und Tongruben, Äckern und einzelnen Gärten.

Eine erste gärtnerische Gestaltung des Hügels wurde 1824 von P. J. Lenné angeregt, aber erst 65 Jahre später in die Tat umgesetzt. Inzwischen war die Bebauung der Stadt an den Fuß des Kreuzberges herangerückt und auch das „Brauerei-Etablissement Tivoli auf dem Kreuzberge“ ein Vorläufer der späteren Schultheiss-Brauerei, entstanden.

Um die ursprüngliche räumliche Wirkung des einst freistehenden Monumentes wieder herzustellen, wurde es 1878 um 8 m angehoben und auf den noch heute zu erklimmenden Unterbau platziert. Direkt im Anschluss begannen dann die Planungen des nun „Victoria-Park“ – nach dem Namen der Witwe des Kaisers Friedrich III. – genannten Areals. Ziel war es, das Denkmal in seiner Fernwirkung zu stärken und eine „Erholungsstätte“ für die Bevölkerung zu schaffen.

So entstand nach den Plänen des Gartendirektors H. Mächtig in der Achse der Großbeerenstraße der beeindruckende Wasserfall, inspiriert von einem Original im Riesengebirge. Über 24 m Höhendifferenz stürzt das Wasser über Kalkstein und Granitfelsen in das untere Becken, 13.000 l/min.

An die frühere Nutzung des Geländes mit Lehm- und Sandabbau erinnert die südlich anschließenden „Wolfsschlucht“. Entgegen der zwischenzeitlich bestehenden Planung, dieses Gelände für Bebauung zu verkaufen, sprachen sich die Berliner Stadtverordneten 1891 für eine Erweiterung des Parkes in diesem Bereich aus. In der Senke entstanden eine künstliche Quelle und ein Teich, umgeben von Farnkraut und üppigem Baumbewuchs, die nach umfangreichen gartendenkmalpflegerischen Arbeiten wieder hergestellt wurden.

Zwanzig Jahre später wurde der Park dann beträchtlich Richtung Westen erweitert. Nach den Plänen des Gartendirektors S. Brodersen entstanden auf den westlichen Abhängen großzügige Wiesenflächen und große Spielplätze sowie der architektonisch gestaltete Sitzplatz an der Ecke Kreuzbergstraße/Katzbachstraße.

Kurz darauf erfolgte die letzte Erweiterung zur Dudenstraße hin mit einem großen Sportplatz und der Pappelallee, diesmal nach Plänen von Erwin Barth. Außerdem wurde das Tiergehege angelegt.

Dass der Park in so vielen Einzelschritten entstanden ist, lässt sich heute kaum noch nachvollziehen: Die einzelnen Puzzlestücke sind zu einem einmaligen Ganzen zusammengewachsen, dessen einzelne Element auch heute noch vielfältige Nutzung erlauben: Auf den Wiesenhängen lässt sich bestens picknicken und im Winter rasant rodeln, die Tiergehege sind ein Muss für die Kleinsten, die gerade erneuerten Spielplätze ein begehrtes Ausflugsziel für Kitas und Schulklassen, die Wolfsschlucht ist ein intimer und erfrischender Rückzugsort und die Spitze des Berges ein schöner Ort für laue Sommerabende.


Adresse: Kreuzbergstraße, Katzbachstraße, Dudenstraße

Anfahrt:  S+U Yorkstraße, U 6, U 7 Mehringdamm, U 6 Platz der Luftbrücke, Bus 104, 119, 140, 219

 

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