Von-der-Schulenburg-Park

Ganz weit unten an der Sonnenallee, noch hinter den S-Bahn-Brücken und noch hinter dem Estrel-Hotel liegt versteckt der Von-der-Schulenbug-Park.

Im Mittelpunkt des Parkes erstreckt sich ein großes, rechteckiges, von riesigen Platanenreihen gesäumtes Wasserbecken und der in Jugendstil-Formen erbaute Märchenbrunnen.

Heute ist es oft ruhig am Wasserbecken. Einige Enten drehen ihre Runde, der Brunnen zeichnet sich am Ende der Platanenallee gegen den hellen Himmel ab. Die für Berlin ungewohnten neogotischen Formen Brunnens und seine imposante Größe verwirren den Betrachter. So scheint er eher für einen städtischen Platz entworfen zu sein. Und die kecken Putten, die hoch von den Säulen ihr Wasser speien, scheinen so ganz modern.

Tatsächlich ist auf den ersten Blick ist nicht ersichtlich, welch wechselvolle Geschichte Brunnen und Park erlebt haben und dass ihr heutiges Aussehen eine „Co-Produktion“ unterschiedlicher Künstler und mehrfacher Sanierungen der vergangenen 90 Jahre ist.

Der 5 ha große Park, der heute ein eingetragenes Gartendenkmal ist, wurde erstmals 1913 als Grünfläche ausgewiesen und 1923 nach den Plänen des Gartendirektors Ottokar Wagler gestaltet.

Parallel, aber noch ohne Bezug zum Park, entstand der Brunnen: Der Bildhauer Ernst Moritz Geyger wurde 1915 mit dem Entwurf eines Brunnens beauftragt. Unter dem Titel “Symbol des Deutschen Waldes“ oder „Waldesdom“ wurde drei Jahre später erst ein Gipsmodell und anschließend das Original in Muschelkalk gefertigt: Aus einem gefassten Wasserbecken erhob sich ein fast sieben Meter hoher, ovaler Säulenkranz mit gotisierenden Formen, angelehnt an das Vorbild eines Domes, mit wasserspeienden Bronzeputten und flankiert von den Statuen eines Hirsches und einer Hirschkuh mit Kitz.

Ursprünglich war die Aufstellung des Brunnens auf dem Hertzbergplatz oder dem Rathausvorplatz vorgesehen, doch aufgrund des politischen Umbruchs landete der Brunnen vorerst im Straßenreinigungsdepot.

1935 beschloss die Stadtverwaltung dann die Aufstellung des Brunnens im Von-der-Schulenburg-Park. Aus diesem Anlass wurde das 120 m lange Wasserbecken als „Spiegelbecken“ ergänzt. Die Einweihung der Brunnenanlage geriet zum Propagandafest der NSDAP, bei dem zahlreiche Schulkinder in „Märchenkostümen“ auftraten. Weshalb der Brunnen anschließend im Volksmund, später auch offiziell, nur noch „Märchenbrunnen“ genannt wurde.

Während des 2. Weltkrieges wurden die Bronzefiguren eingeschmolzen und der Brunnen beschädigt. Einer ersten Restaurierung des Parks in den 50er Jahren folgte eine Zeit der Verwahrlosung von Brunnen und Grünanlage. Erst 1970 wurde der Brunnen umfänglich saniert. Dabei wurden die Bronzefiguren Hirsch und Hirschkuh mit Kitz durch Muschelkalkplastiken der Künstlerin Katharina Szelinski-Singer ersetzt, auf die wasserspeienden Putten wurde verzichtet. Die neuen Figuren stellten Szenen der Märchen „Brüderchen und Schwesterchen“ und „Aschenputtel“ dar.

Doch auch in den folgenden Jahren setzte der Vandalismus dem Brunnen zu, so dass er schon bald wieder stillgelegt werden musste.

Im Jahr 2000 erfolgte dann für 1,5 Mio DM eine umfassende Sanierung des Brunnens , des Spiegelbeckens und der gesamten Wassertechnik. Als Steinbildhauer wurde M. Scheibner gewonnen. Die 16 neuen Bronzeputten gestaltete die Künstlerin Anna Bogouchevskaja. Sie speien nun wieder vom oberen Säulenkranz aus Fischen, Kannen oder Kronen ihr Wasser.

Eine weitere Attraktion im Park, besonders für Eltern und Kinder, sind der große, schöne Märchenspielplatz und die Märchenfiguren im Park.
Ein Besuch lohnt sich also für die ganze Familie!


Adresse:
 gegenüber von Sonnenallee 305 , Berlin-Neukölln

Anfahrt:  S-Bahn Kölnische Heide; Bus M 41, Haltestelle: S-Bahn Köllnische Heide

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