Nennhausen

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Westlich an Berlin grenzt das Havelland an: ein flaches Land mit unendlichen Feldern und Wiesen sowie zahllosen Gräben und kleinen, verträumten Dörfern. Ideal zum Fahrradfahren.

Auf dem Weg von Wustermark gen Westen kommt bald das wohl bekannteste Dorf in dieser Gegend: Ribbeck, das Herrenhaus des „Herren von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“.

Schloss und Park sind restauriert und zahlreiche Besucher finden allwöchentlich den Weg hierher. Insbesondere lohnt auch der Besuch der Alten Scheune, der Alten Brennerei und der Kirche.

Weiter westlich nimmt die Anzahl der Besucher schon bald deutlich ab: Und den Park Nennhausen finden nur noch ganz wenige Interessierte.

Schade, denn beim Besuch in Nennhausen lässt sich manch Unerwartetes entdecken! Gleich auf der Zufahrtsstraße im Dorf erfreut eine einmalig große, im Mai über und über lila blühende Fliederhecke die Gäste.

Links des Weges erscheint dann das überraschend große und komplett restaurierte Herrenhaus, welches mit seinen unterschiedlichen Stilelementen die Geschichte des Hauses erzählt: Im Innern erinnern die alte Raumaufteilung und kostbare Stuckelemente an die barocke Entstehungszeit des Schlosses um 1737. Äußerlich ist der Bau durch eine Fassade im Tudorstil geprägt, die bei Umbaumaßnahmen um 1860 entstand.

Beinahe wäre dies alles verloren gegangen, denn nach einem Brand im Dachstuhl 1983 wurde vorerst nur ein Notdach errichtet, das den Verfall des Schlosses beschleunigte. Erst nach der Privatisierung von Haus und Park 1997 erfolgten die erforderlichen Sanierungsarbeiten, die das alte Ensemble wieder erstehen ließen.

Bekanntester Bewohner des Schlosses in Nennhausen war der romantische Dichter Friedrich de la Motte Fouqué, der 1803 durch die Heirat mit Caroline von Briest nach Nennhausen kam und dort bis 1833 lebte. In dieser Zeit schrieb er das berühmte Kunstmärchen „Undine“ und schuf gemeinsam mit seiner Frau einen ländlichen Salon, in dem viele zeitgenössische Persönlichkeiten zu Gast waren: Adalbert von Chamisso, Joseph von Eichendorff, Karl August Varnhagen von Ense, Rahel Levin-Varnhaben von Ense, August Wilhelm Schlegel und E.T.A. Hoffmann. 

An diese Nutzung wird heute wieder mit zahlreichen Kulturveranstaltungen im Schloss und in der Orangerie angeschlossen.

Auch wenn der Hof des Schlosses und der direkte Terrassenbereich der privaten Nutzung vorbehalten sind, lohnt sich ein Spaziergang im rückwärtig gelegenen weitläufigen Park:

Bereits 1780 wurde der ursprünglich als Barockgarten angelegte Außenbereich zu einem der ersten Landschaftsgärten in Brandenburg umgestaltet und entscheidend vergrößert.

Nachdem der Garten in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts verwilderte, begannen vor 15 Jahren umfangreiche Sanierungsarbeiten, die den Landschaftsgarten erneut erstehen ließen: An das Herrenhaus schließen sich jetzt wieder weite Wiesenflächen mit freigestellten Einzelbäumen und einem imposanten Altbaumbestand – insbesondere Eichen, Platanen, Linden, Buchen und Hainbuchen an. Berühmt ist die 2006 eingestürzte Ruine der auf ca. 450 Jahre geschätzten „Fouqué-Eiche“. 

 

 

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