Gärten in ehemaligen Klöstern der Provence

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Wenn das Verborgene einen besonderen Reiz hat, dann ist der Garten des ehemaligen Klosters St. André schon wegen seiner Lage einer der schönsten Gärten der Provence. Hoch über der Rhone, gegenüber von Avignon, erhebt sich seit dem 14. Jhd. das mächtige Fort St. André und versteckt hinter seinen wuchtigen Mauer das ehemalige Benediktiner Kloster. Durch ein großes Holztor betritt man das Kloster. Doch wer hier einen Kreuzgang oder gar einen Klostergarten erwartet hat, wird sich verblüfft umschauen. Das ehemalige Palais des Abtes mit seinem schönen Portal aus dem 18.Jhd. wirkt sehr weltlich und ein herrlicher Terrassengarten nach italienischem Vorbild öffnet sich zur Rhone und lenkt den Blick auf den in der Ferne am anderen Ufer liegenden Papstpalast in Avignon.
Vor dem Hintergrund Großer Zypressen liegen Rosenbeete mit einer Einfassung aus zu niedrigen Hecken geschnittenem Heiligenkraut. Zwei Wasserbecken mit Seerosen schließen jeweils seitlich an. Hinter intimen Sitznischen aus Steinbänken blüht der Oleander und unter einer berankten Pergola aus Steinsäulen kann die Terrasse im Schatten überquert werden. Treppen führen auf die nächste Terrasse, von der aus sich eine traumhafte Aussicht über die Rhone bietet.
Der obere Bereich des Gartens liegt auf einem Hügel und ist von der heutigen Besitzerin Mlle Bacou angelegt worden. Zypressenalleen durchziehen diesen Gartenteil und breite Bänder mit Iris säumen die Wege. Neben einem alten Olivenhain befinden sich hier die Ursprünge des Klosters. So erinnert eine Kapelle an die heilige Casaria, die sich hier Im 6. Jhd. in eine Höhle zurückzog, wo sie 587 starb. Die Verehrung für Ihr Grab führte zur Gründung eines Friedhofes, dessen Überreste ebenfalls erhalten sind, und schließlich zur Niederlassung von Benediktinermönchen.

Zu Füßen von St. André liegt das Städtchen Villeneuve-lez-Avignon, das im 14. Jhd. zum eleganten Vorort von Avignon wurde, in dem sich die Kardinäle, die in Avignon nicht mehr genügend Platz für ihre Paläste fanden, niederließen. In dieser Zeit entstand auch das mit seinen drei Kreuzgängen größte Karthäuserkloster Frankreichs, die Chartreuse du Val de Bénédiction.  Der hier zu entdeckende Garten ist eher eine Oase und nur wenige Quadratmeter groß. Betritt man den kleinsten der drei Kreuzgänge, fällt der Blick durch die Spitzbögen auf vier von Buchsbaumhecken eingefasste Beete. Üppig wachsenden Iris und Yuccas scheinen den Rahmen der streng geschnittenen Hecken sprengen zu wollen und rot blühenden Kletterrosen ranken an den Pfeilern des Kreuzganges. Der besondere Reiz liegt aber in den unterschiedlichen, immer wieder von den Pfeilern unterbrochenen Einblicken, die sich aus dem überdachten Bereich des Kreuzganges in den Innenhof bieten.
Die Klöster waren im Mittelalter die Bewahrer des medizinischen Wissens der Antike. Sie  unterhielten rege Beziehungen zueinander und tauschten auch die Ableger, Samen und Pflanzen aus, die für die mittelalterliche Arzeneimittelherstellung gebraucht wurden.
In einem Karthäuserkloster gehörte sogar zu jeder Möchszelle ein kleiner Kräutergarten und in der Chartreuse du Val de Bénédiction wurde einer dieser Gärten wieder angelegt. Er  ist so klein, dass sich hier kaum mehr als drei Personen gleichzeitig aufhalten können. Neben Seifenkraut (Saponia officinalis), dessen Wurzel zum Waschen benutzt wurde, wächst hier Wermut (Artemisia absinthium), das magenanregend wirkt aber auch eine bewusstseinsverändernde Substanz enthält, auf die die Wirkung des legendären alkoholischen Getränkes Absinth zurückzuführen ist. Ein besonders wichtiges Kraut für die Mönche war wohl die Feldraute (Ruta graveolens), die sie als Anti-Aphrodisiakum ihren Speisen beimischten, die aber auch eine nicht ganz ungefährliche Giftpflanze ist.

In dem ehemaligen Karthäuserkloster Bonpas, nicht weit von Avignon entfernt an der Durance gelegen, beschäftigt man sich heute mit einem ganz anderem Gewächs: Dem Wein. Und so lässt sich der Gartenbesuch wunderbar mit einer Weinprobe verbinden. Der Name Bonpas (von bonus: gut und passus: Schritt) stammt noch aus der Zeit als die Anlage zum Schutz der Reisenden, die die Durance überqueren wollten, geschaffen wurde. Der heute existierende Garten wurde erst in neuerer Zeit angelegt, integriert aber die Überreste des in der Revolution schwer beschädigten Klosters.
Man betritt Bonpas durch ein großes Tor in den Überresten der Klostermauern. Ein von geschnittenen Hecken flankierter Weg aus kunstvollem Lesesteinpflaster führt an einem Bereich vorbei, der früher vielleicht einmal den Obst- und Gemüsegarten des Klosters beherbergte. Durch einen Bogen tritt man in den Ehrenhof, von dem aus schon die großen Pinien auf der Gartenterrasse zu sehen sind. Die Terrasse ist im Stil eines klassischen französischen Parterres mit  eingefassten Beeten und kegelförmig geschnittenen Eiben angelegt. Einen spannenden Kontrast zu der regelmäßigen Gestaltung bilden die vom Wind geformten hohen Pinien mit ihren bizarren Kronen. Von der vordersten Spitze der Terrasse aus blickt man über die Durance, die heute zwar gezähmt daherfließt früher aber ein unberechenbarer Strom war, dessen Überschwemmungen stets große Verwüstungen hinterließen.
In der anderen Richtung trennt eine Eibenhecke den etwas tiefer liegenden Bereich mit einem Bassin, das als Schwimmbecken dient, ab.
Durch eine Öffnung in einer Efeu berankten Mauer erblickt man am oberen Ende einer Treppe die Statue eines Römers, der den Besucher in den oberen Gartenbereich lockt. Hier, am Fuße des aus dem 14. Jhd. stammenden Walls liegt ein romantisch verwunschener Garten mit einer Quelle und einem kleinen Wasserbecken.
Wie die römische Statue ihren Weg in den Garten von Bonpas gefunden hat, lässt sich nicht mehr nachvollziehen, aber in einer Region, in der zahlreiche Stadtgründungen auf die Römer zurückgehen, finden sich überall Relikte aus der Zeit, in der die Provence  als Provincia narbonensis ihren Namen erhielt.

Das Kloster Saint-Paul-de-Mausole bei St. Rémy verdankt seinen Namenszusatz ebenfalls den Römern: in der Nachbarschaft befindet sich ein römisches Mausoleum. Berühmt wurde Saint Paul aber durch Vincent van Gogh. Von 1889 bis 1890 war der Maler Patient der in den ehemaligen Klostergebäuden untergebrachten psychiatrischen Klinik und hat Saint Paul und die Umgebung in zahlreichen Bildern festgehalten.
Sehenswert ist der Kreuzgang mit seinen romanischen Bögen.
Auch hier liegt der Reiz wieder im Wechselspiel von Architektur und Pflanzung. Durch die Bögen des Wandelganges blickt man auf die Blumenbeete im lichtdurchfluteten Innenhof. Die Mauern sind von Kletterrosen überwuchert und in den Ecken setzen einzelne Hortensien zusätzliche Akzente. Das Ganze wird durch in den Bögen platzierte Kübelpflanzen, die zwischen den verzierten Säulen für mediterrane Stimmung sorgen, aufgelockert.

St. André

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Chartreuse du Val de Bénédiction

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Saint-Paul-de-Mausole

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